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Architekten am Weberberg

Humm- Karl- Zalenga

Projektarchitektin

Regina Karl

Bestand, Beschädigungen, Sanierung

Dach und Holzkonstruktion

Der nicht ausgebaute Dachraum war ungedämmt. Die Dachdeckung mit Biberschwanz-Doppeldeckung wurde bereits füher erneuert und war in einem guten Zustand. Die Kaminverwahrung war undicht. Die Fenster der oberen Gaupen waren stark beschädigt und mußten saniert werden.
Die Holzkonstruktion der westlichen Dachgaupe war stark beschädigt. Ebenso die äußeren Eichenholzfensterbänke aller Dachgaupen auf derWestseite. Diese wurden bereits früher einmal erneuert und waren nun mit Käferlarven befallen. Auch an der Fachwerkfassade Süd im Bereich des Turmerkers im DG waren bereits Holzteile im äußeren Bereich neu aufgeblattet worden, auch diese Teile waren nun mit Käferlarven befallen. Die Holzkonstruktion der Fachwerkinnenwände war in der ehemaligen Küche im Erdgeschoss, dort wo früher der Schüttstein stand, stark beschädigt.
Sanierung der Holzkonstruktion: Zur Sanierung wurde nur altes Eicheholz verwendet, Hölzer mit Schädlingsbefall wurden komplett entfernt und ausgetauscht, angrenzende Holzteile wurden chemisch behandelt. Morsche Hölzer wurde bis auf gesundesHolz zurückgeschnitten und zimmermannsmäßig mittels schrägem Blatt wieder mit dem Bestand verbunden.

Fußböden

Im Obergeschoss war in den repräsentativen Wohnräumen zur Promenade hin und in der grossen Diele Eicheparkett im Fischgrätmuster verlegt. Daskleine Zimmer, Bad und WC waren mit Linoleum ausgelegt. Im gesamten Erdgeschoss und Dachgeschoss war Linoleum auf Magnestitestrich. Ein Zimmer im Dachgeschoss und die heutige Küche im Dachgeschoss hatten einen Fichteriemenboden.
Im Dachgeschoss 2 waren ca 20-30 cm breite Holzdielen verlegt.
Das Parkett in OG wurde abgeschliffen und neu versiegelt, beschädigte Holzstäbe und abgelaufene Schwellen wurden ausgetauscht. Die Linoleumbödenwurden entfernt, der Magnesitestrich wurde mit neuem Eicheparkett im Fischgrätmuster belegt. Die vorhandenen Riemenböden wurden mit schwimmendem Trockenestrich und Parkett belegt. Im Eingangsbereich und EG Küche und Speis waren Mosaikfliesen in Sechseckform, in den Farben Braun und Beige, vorhanden, aber leider in einem sehr schlechtenZustand. Auch hier wurde bei der Sanierung Eicheparkett verlegt.

Installationen

Nahezu alle Installationen waren auf Putz verlegt. Bei der Installation war keine Rücksicht auf Stuck oder Wandtäfer genommen worden, Teile derhistorischen Bausubstanz wurden dadurch stark beschädigt. Bereits beschädigte Teile des Stucks und des Wandtäfers wurden ausgebessert oder restauratorisch ergänzt. Die neuen Installationen sind unterPutz verlegt und so kaum noch sichtbar.
Durch neueste Technik konnten die sichtbaren Installationen reduziert werden, ohne dabei auf Komfort zu verzichten. So sind z.B. im Treppenhaus Bewegungsmelder eingesetzt, um möglichst wenig von den neuen Elektro- Schaltern zeigen zu müssen. Die sichtbaren Teile wie Elektroschalter, Steckdosen, Sprechanlagen, Treppenhausbeleuchtung usw. wurden bewusst in modernem Design ausgeführt um sich klar vom Bestand zu distanzieren.

Stuckdecken

Die Stuckdecken wurden von den teilweise sehr zahlreichn Aufputzinstallationen befreit und die hierdurch entstandenen Schäden ausgebessert.

Wandverkleidung im Treppenhaus - Linkrusta

Das Treppenhaus und die Dielen sind über alle Geschosse mit einer Linkrustatapete, einer prachtvollen Prägetapete aus einem dem Linoleum ähnlichenMaterial bekleidet. Erfunden wurde Linkrusta 1877 von Frederik Walton, dem Erfinder des Linoleum. Seit 1884 wurde Linkrusta auch in Deutschland hergestellt und erfreute sich Ende des 19. Anfang des 20. Jahrhunderts grosser Beliebtheit. Es fand Verwendung in Fluren, an Wände und Decken auch in den vornehmsten Häusern. Sogar der Salonwagen Kaiser Willhelms II wurde 1889 mit Linkrusta ausgekleidet. Die Blütezeit der Linkrusta endete mit einem veränderten Zeitgeschmack im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts.
In Treppenhaus und Diele EG bis DG ist die Linkrustatapete bis zu einer Höhe von ca 1,20 m an den Wänden, oberhalb eines ca 20 cm hohen Eicheholzsockelsangebracht. Die obere waagrecht angebrachte Abschlussbordüre der Linkrustatapete ist oben und unten mit einer profilierten Holzleiste gefasst. Die unter Holzleiste überdeckt den Tapetenstoss zwischen Linkrustatapeteund deren Bordüre. Die obere Holzleiste bildet den oberen Abschluss der Wandbekleidung.
Diese Verkleidungen sind teilweise beschädigt und lösen sich, besonders an den Aussenwänden, teilweise ab. Teile der Linkrustatapete und derLeisten fehlten und wurden durch einen dunklen Farbanstrich ersetzt. Die schadhafte und fehlenden Wandverkleidungen und Leisten wurden restauratorisch ausgebessert und ergänzt. Hierfür wurden vom Restaurator Silikonabdrücke der Muster angefertigt und die fehlenden Teile nachgegossen und bemalt.

Fenster und Türen

Bei einer städtischen Sanierung wurden vor einigen Jahren die Fenster ausgetauscht und durch Isolierfenster ersetzt. Hierbei wurden die bestehenden bunten Bleiverglasungen erhalten und zwischen die Isolierglasscheiben eingebaut. Ein Fenster war noch im Orginalzustand erhalten und wurde restauriert.
Alle Holz-Wandtäfer im Brüstungsbereich, Zimmertüren und Fenster wurden aufgearbeitet und fehlende Teile ergänzt.
Rolläden und Fenster wurden zusätzlich gegen Schall und eindringende Feuchtigkeit abgedichtet.
Die Haustüre wurde zur Sanierung zerlegt, morsche Holzteile wurden ersetzt. Die Einfachverglasung wurde durch eine Isolierverglasung ersetzt. Neue Schliesstechnikwurde in die alten Schlösser integriert, die historischen Beschläge und Verriegelungen sind erhalten geblieben.

Wandtäfer - Holz

In den Erkern und an den Fensterbrüstungen sind Wandverkleidungen aus dunklem Eicheholz als Kasetten angebracht. Davor sind die alten Heizkörper teilweise mit Wandaufhängung montiert worden. Die Heizkörper wurden bei der Sanierungauf Standkonsolen gestellt. Die zahlreichen Beschädigungen durch die Installationen wurden restauriert, fehlende Teile wurden ergänzt. Das gesamte Holztäfer hat eine Erneuerungsbeschichtung erhalten.

Haus Ehrlich, Zeppelinring Biberach

Geschichte

Hunderterhäuschen

Der spätmittelalterliche Mauerturm gehörte ursprünglich zur mittelalterlichen Stadtbefestigung, wohl im Verband mit der Zwingermauer. Im Baualtersplan des Archäologischen Stadtkatasters Baden Württemberg ist das Hunderterhäusle vor 1516 datiert.
1802-1807 verkaufte die Stadtgemeinde zur Kriegsschuldentilgung die Stadtgräben, die Zwinger und sämtliche Erker (Zwischentürme). Auf diejenigenErker, die die Käufer nicht beseitigten, ließen sie zu ihrer Belustigung Zimmer bauen. Konditor und Senator Haas, der schon den Zwinger besaß, kaufte in dieser Zeit auch noch den Stadtgrabenteil mit dem Rondell,also dem Zwingertürmchen das später „Hunderterhäusle" genannt wurde.
Das Rondell hatte sich gleich anfangs eine kleine Gesellschaft zugeeignet, die sich mit dem Kartenspiel „101" belustigte. Es hieß nun gemeinhin das „Hunderterhäusle"
Im Jahr 1802 nach dem Frieden von Lunéville verliert die Stadt Biberach die reichstädtische Selbständigkeit und wird badisch. Der Badische Bürgermeister gab einige neue Gesetze heraus, um die aufsäßigen ehemaligen Reichstädtler zu unterjochen.
Unter anderem wurde in der Stadt das Kartenspielen verboten. Nicht zuletzt deshalb war das Hunderterhäuschen, ausserhalb der Stadtmauer, ein beliebter Treffpunkt für die Freunde des Kartenspiels.
1818 wurde dort sogar ein Hunderterverein gegründet. Freilich kein ernst zu nehmender Verein, eher zur Belustigung der Kartenspieler, allen voran der Gründer und Festvater Johan Georg Ostermayer (*08.12.1748 + 3.11.1827), in der Gründungsurkunde als Freyherr von Wollsack genannt. Dennoch hatte der Verein sogar ein eigenes Siegel und ein eigenes Lied: „Triumph-Gesang der Hundert und Eins- Spieler" im Juli 1816 komponiert von Justinus Heinrich Knecht (* 30.09.1752 + 01.12.1817) Nach dem Tod des Herrn Haas 1828 ging das ganze Anwesen an die Tuchhändler Staib und Lieb über; Sie errichteten daneben eine Tuchfabrik.
1834 war dort dann die Blechwarenfabrik von Wißhak und Graner, und ab 1849 gehörte das Anwesen der Firma Schelle-Blaßnek.
Kaufmann Hermann Hiller jun. war später Geschaftsführer und Mitinhaber der Firma Schelle-Blaßnek, Roßhaar- und Seegrasspinnerei, Sattler- und Polsterartikel en gros, Linoleumlager.
Im Jahre 1904, beim Neubau des Wohnhauses von Kaufmann Hiller im Zeppelinring 36, bekam der Mauerturm eine neugotische Erneuerung und wurde als Gartenhausgenutzt. Noch heute besteht es als Gartenhäuschen und gehört zu Zeppelinring 36.

Wohnhaus Zeppelinring 36

Kaufmann Hermann Hiller jun. heiratet 1890 die Floriane Katharina geborene Benz, Rotgärberstochter. 1904 beauftragt er den Biberacher Architekten Gaupp mit dem Neubau eines Wohnhauses, direkt neben seiner Fabrik und dem Hunderterhäuschen. Gemeinsam mit seiner Frau und seinem Vater Hermann Hiller sen. Privatier (*11.10.1858 + 24.03.1908) bezieht der das Wohnhaus Promenade Nr 74/2, am 01.07.1905, nach etwas mehr als einem Jahr Bauzeit.
Im Erdgeschoss befanden sich die Wohnräume der Familie Hiller, mit Esszimmer und Salon zur Promenadenstrasse hin. Türen, Zargen und die Holzverkleidungenim Bereich der Fensterbrüstungen und Erker sind reich verziert, die Decken mit Stuck umrandet, der Fußboden ist mit Linoleum belegt.
Im Obergeschoss waren die Schafräume, hier sind die Stuckdecken und Verzierungen etwas einfacher ausgeführt, Eicheparkett im Fischgrätmuster ist der Bodenbelag in den grossen Räumen zur Promenade hin. Die Räume in EG undOG sind herrschaftlich hoch mit 3,5 m Raumhöhe.
Im Dachgeschoss sind nur noch einfache Kasettentüren mit Kastenschlössern, die Verzierungen der Wandtäfer sind sparsamer, die Räume sindnur noch 2,3 m hoch. Vermutlich war hier das Dienstpersonal untergebracht. Das Treppenhaus ist über alle Geschosse mit einer Linkrustatapete, einer prachtvollen Prägetapete, bekleidet.
Die Kaufmannsvilla blieb fast 80 Jahre im Familienbesitz und wurde dann von der Stadt Biberach erworben. Fortan wurde das Gebäude als Notariat und Forstamt der Stadt Biberach genutzt. Glücklicherweise wurden trotz der Nutzungsänderung kaum bauliche Veränderungen am Gebäude vorgenommen. So waren nahezualle Bauteile noch im Orginalzustand erhalten geblieben.

Nutzung

Bestand:

Das ursprünglich als eine Einheit geplante Wohnhaus wurde bereits vor einigen Jahren von der Stadt Biberach umgenutzt und in 3 Nutzungseinheiten aufgeteilt:
- EG Notariat
- OG Stadtisches Forstamt
- DG Wohnung
Das DG 2 war bis dato nicht ausgebaut und als Bühneraum der Wohnung zugeordnet.

Neuer Zustand:

Die 3 Nutzungseinheiten sind erhalten geblieben. Im EG befindet sich nun ein Büro, im OG und DG jeweils eine Wohnung.
Der Bühneraum im DG 2 wurde zum Dachstudio ausgebaut und gehört nun zur Dachgeschosswohnung. So ist eine attraktive Maisonett-Wohnung überbeide Dachgeschosse entstanden.
Zur Unterteilung des Gebäudes in 3 Nutzungseinheiten waren im Treppenhaus bereits Trennwände aus Holz bzw aus Holz und Strukturglas eingebaut.
Diese Trennwände waren ohne Rücksicht auf das bestehende Wandtäfer und die Holzkasettendecke eingebaut und sogar daran befestigt. Das Wandtäferwar deshalb an verschiedenen Stellen ausgeschnitten worden. Die Trennwände wirkten sehr massiv, der Raumeindruck der ehemals großzügigen Diele war nicht mehr vorhanden. Auch für die nun geplante Nutzung waren die Abtrennungen zum Treppenhaus hin erforderlich, dennoch sollte die Diele wieder herrschaftlich und großzügig wirken.
Für die neuen Abtrennungen wurden rahmenlose Verglasungen mit Teilsiebdruckbeschichtung gewählt. Die Glaselemente wurden mittels Schablonen passgenau hergestellt und konnten so nahezu fugenlos an den Bestand angeschlossen werden, ohne diesendabei zu unterbrechen oder zu beschädigen. Dies gestaltete sich bei der Herstellung der Glaselemente schwieriger als erwartet, viele der Scheiben brachen bereits bei der Produktion und mussten mehrfach gefertigt werden.
Die Verglasung ist matt satiniert, nur im Anschlussbereich an Boden und Decke ist sie durchsichtig, auf diese Weise bleibt die Grosszügigkeit der Dieleebenso erhalten wie die Privatsphäre der Bewohner. Die schlichten Glasflächen der neuen Abtrennungen lassen den reichen Verzierungen der bestehenden Buntglasfenstern, Kasettendecken und Wandtäfer den Vortritt.

Umbaumaßnahmen am Grundriss

Dachgeschoss

Die bereits bei einer früheren Baumaßnahme vorgenommenen Veränderungen am Grundriss im Bereich von Bad, WC und Küche stellten bereitseinen deutlichen Eingriff in den Bestand dar. Leider war der Grundriss dadurch verbaut, die ursprünglich klare Gliederung, mit Nebenräumen auf der Nordseite und Wohnräumen auf der Südseitezur Promenade hin, erschlossen über die grossen Dielen, war nicht mehr gegeben. Die Veränderungen wurden von uns teilweise zurückgebaut, die Struktur ist nun wieder erkennbar. Kleinere Veränderungen warendennoch erforderlich um die Wohnqualität dem heutigen Standard anzupassen.
Die nachträglich eingebaute Wand zwischen Küche und Bad wurde versetzt , die abgebrochene Wand im WC wurde von uns zum Teil wieder aufgebaut. Die Verbindungstür zwischen Schlafzimmer und Wohnzimmer wurde ausgebaut und mit einer Leichtbaukonstruktion geschlossen. Türblatt und Zarge fanden im Erdgeschoss Wiederverwendung.

Bühne

Die Bühne wurde zum Dachstudio umgebaut, hierfür wurde der grosse Raum mit einer firsthohen Trennnwand unterteilt. Der über den Giebel belichtete Nordteil wurde zum Dachstudio ausgebaut. Der spärlich belichtete Südteil wurdezum Abstellraum. Der südliche Schornstein war bereits früher teilweise abgebrochen worden und war nicht mehr über Dach geführt. Dieser Schornstein wurde nun bis auf Fußbodenniveau zurückgebaut.

Erdgeschoss und Obergeschoss

An den Grundrissen wurden in diesen Geschossen keine Veränderungen vorgenommen. Lediglich die rahmenlosen Verglasungen als Abtrennung zum Treppenhaus wurden hier eingebaut. Im Erdgeschoss zwischen Sekretariat und Küche wurde eine neue Türöffnung hergestellt zur Verbesserung der Funktionalität des Bürogrundrisses.

Keller

Am Kellergrundriss wurden keine Veränderungen vorgenommen.

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Leopold Humm, Inge Zalenga
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